reizdarm

Reizdarm – wenn der Darm unberechenbar wird. Was ist ein Reizdarm?


Nach den ROM-IV-Kriterien von der Rome Foundation (1) kann ein Reizdarmsyndrom (RDS) diagnostiziert werden, wenn folgende Kriterien vorliegen:

  • Symptombeginn mindestens 6 Monate vor Diagnosestellung
  • Beschwerden durchschnittlich an mindestens einem Tag pro Wo­che in den letz­ten 3 Monaten
  • wiederkehrende Bauchschmerzen assoziiert mit mindestens zwei der folgenden Kriterien:
  • Zusammenhang mit der Stuhlentleerung
  • Änderung der Stuhlfrequenz
  • Änderung der Stuhlkonsistenz


Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose, d.h. bestimmte andere Erkrankungen müssen vorab ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Reizdarm gestellt werden kann. Dazu zählen:

  • Infektionen (bakterielle, virale bzw. parasitäre)
  • Entzündungen
  • Tumore
  • Zöliakie
  • Organische Erkrankungen (Motilitätsstörung, Funktionelle Störung)
  • Endokrine Erkrankungen (Schilddrüse)
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten


Die Betroffenen haben oft einen sehr hohen Leidensdruck, zum Teil ist jede Nahrungsaufnahme mit Angst verbunden. Die Reaktionen des Darms erscheinen unberechenbar.


Typische Symptome eines Reizdarm sind:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfung


Patienten mit Reizdarm, „Colon Irritable“ oder auch „Irritable Bowel Syndrom (IBS)“ leiden öfter an Angst, Stress und Depression in Vergleich zu Gesunden (2).

 
Die genaue Entstehung des Reizdarmsyndroms ist noch nicht geklärt. Verschiedene Ansätze werden diskutiert: Veränderung der Darmflora / des Mikrobioms, Dysregulation der Darm-Hirn-Achse (gut-brain-axis), Dysregulation des vegetativen Nervensystems, viszerale Überempfindlichkeit, Veränderung der Neurotransmitter im Darm und niedriggradige Entzündung im Darm (2). Auch genetische, umweltbedingte und psychosoziale Faktoren zählen dazu.


Caroll, I.M. et al. fanden eine reduzierte Vielfalt an Darmbakterien bei Reizdarm (3).


Andere Studien zeigen entzündliche Veränderung im Bereich des darmassozierten Immunsystems und eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere (4, 5).


Die Rolle der Darm-Hirn-Achse beim Reizdarm

Über die Transmitterbotenstoffe Tryptophan und Serotonin findet eine Kommunikation zwischen Gehirn (ZNS) und dem Bauch / enterisches Nervensystem statt.

Dem Tryptophan-Serotonin-Stoffwechsel kommt daher eine besondere Bedeutung beim Reizdarmsyndrom zu.


Serotonin wird zu circa 95% im Darm gebildet und sorgt dort für die Motilität und den Tonus des Dickdarms. Beim Reizdarmsyndrom mit Verstopfung konnte ein Mangel an Serotonin im Blut festgestellt werden (6).


Modernste diagnostische Verfahren erlauben heutzutage auch die Bestimmung des Metabloms. Damit werden die Stoffwechselprodukte bestimmt, die von den Darmbakterien produziert werden. Dazu zählen unter anderem Tryptophan und Serotonin. In einer kleinen Pilostudie (Labor Biovis) konnte gezeigt werden, dass bei Reizdarmsyndrompatienten ein Mangel der Bakterien vorliegt, die diese beiden Neurotransmitter produzieren.


Welche Untersuchungen sind bei Reizdarm sinnvoll?

  • Gastroenterologische Abklärung mit Darmspiegelung und Ausschluss der oben genannten Erkrankungen.
  • Bestimmung des Mikrobioms inklusive der Marker für Entzündung und einer durchlässigen Darmbarriere (Zonulin, Histamin)
  • Bestimmung des Metaboloms /Stoffwechsel der Darmflora mit Tryptophan und Serotonin


Interventionsmöglichkeiten bei Reizdarm sind individuell und abhängig von den Untersuchungsergebnissen. Dazu zählen:

  • Probiotika / Präbiotika zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Darmflora, Wiederherstellen der Darmbarriere, Beeinflussung des Metaboloms
  • symptomatisch: krampflösende Mittel, Mittel gegen Verstopfung
  • Entspannungstechniken: Atemübungen, autogenes Training, Meditation
  • Lifestyle: ausreichend Bewegung und Schlaf
  • Ernährungsumstellung
  • psychologische Verfahren: kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose


Untersuchung und Behandlung bei Reizdarm in Coesfeld und Münster

  • Bestimmung des Mikrobioms und Metaboloms, der Entzündungsparameter, der Darmbarriere (Leaky Gut)
  • Messung des vegetativen Nervensystems (HRV-Analyse) um eine Dysregulation festzustellen
  • Symbioselenkung durch antientzündliche Maßnahmen, Mikronährstoffe, Prä- und Probiotika
  • Ernährungsberatung
  • Entspannungsverfahren


Hast Du Fragen zum Reizdarm? Ich berate Dich gerne!

Deine Andrea

Heilpraktiker Münster

Heilpraktiker Coesfeld

Darmberaterin, Therapeutin für kPNI



1 https://theromefoundation.org/

2 https://www.hindawi.com/journals/iji/2012/151085/

3 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3220325/

4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30251020/

5 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31210949/

6 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15822040/

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